Saal 2, eine Band und eine Legende, die genauso heißt wie ein beliebtes Lokal in Hamburg, doch schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat als die Schankwirtschaft. Trotzdem ist der Sound des Projektes von Jens Kraft immer frisch geblieben.
Glaubt man Wikipedia, so hat die Gruppe zunächst einem wilderen Frühachtziger-Synthie-Sound gefrönt, um wenig später NDW und Schlager zu verbrämen. Doch eigentlich ist es nichts anderes und nichts weniger als schlichtweg große Popmusik, die Saal 2 dem Hörer auftischen. Bloß fürchtet man sich ja bei Musik, die auf deutsch gesungen wird, gern vor dem P-Wort. Damals, in den frühen Achtzigern, noch mehr als heute, vielleicht.
Haben Sie keine Angst vor diesem Tanz!
Anfang 1980 kam die erste Single „Angst vorm Tanzen“ heraus, die minimalistische Post-Punk-Synthies featurete und Texte hatte wie „ich habe Angst vor diesem Tanz“. Ein gutes Jahr später folgte unter dem Namen Saal 3 die 7“ mit dem Titel „Die U-Bahn Rollt“ und der Samplerbeitrag „Strandgefühle“, in dessen Text ein Mädchen auf einem „Handtuch mit blauen Flecken“ ein „Kant-Buch mit tausend Ecken“ liest. Nach solchen Texten kann man heute lange suchen, und auch damals gab es nicht unbedingt viel Hörenswertes in deutscher Sprache; jedoch schon eine kreativere Szene, die sich nicht fürchtete, in ihrer Muttersprache zu singen. Heute singen vielleicht mehr Künstler oder Kunsthandwerker auf deutsch, doch wer ein Fünkchen Verstand besitzt, wünscht sich dann doch, diese Texte würden in einer möglichst unverständlichen Sprache gesungen. Jens Kraft ist da immer anders gewesen – seine Texte können zu Tränen rühren, ohne je rührselig zu sein. Und können dabei eine entwaffnende Zärtlichkeit besitzen, an die sich niemand heran traut. Und wenn es jemand wagt, so scheitert er an der Peinlichkeitshürde. Nicht so Jens Kraft. Witz, Liebeserklärungen auf Bossa-Nova-beeinflussten Instrumentaltracks, das wissen nur wenige zu kombinieren, vor allem auf solch hohem Niveau. Da ist Saal 2 einzigartig. Und so heißt die neue EP „Johann Sebastian Kraft“. Ob es jetzt ein Seitenhieb auf „Wolfgang Amadeus Phoenix“ ist, oder Herr Kraft sich Anderes dabei gedacht hat: ein selbst verliehener Titel, der durchaus angemessen erscheint.






